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Reisetagebuch für die Halligexkursion 2010

Dies ist das Reisetagebuch für die Halligexkursion vom 18.9.-24.09.2010
 
Anreisetag (18.09.2010-Koll. Bagdonat)
 
Ich konnte es kaum glauben, aber alle waren pünktlich. Nur Mirabelle kam nicht. Sie hat sich am Abend zuvor mit einem bösen, wirklich bösen, Husten, krank gemeldet. Mit etwas Verspätung ging es kurz nach halb acht vom Hauptbahnhof los. Die Fahrverbindung änderte sich kurzfristig, was für eine Mitreisende zum Verhängnis wurde. Trotzdem waren alle pünktlich um 17.25Uhr auf der Fähre nach Langeneß. Gegen 20.00Uhr waren wir auf der Schutzstation und bezogen die Zimmer. Nach einer kurzen Ansage durch die Verantwortlichen, verteilten wir uns und hatten jeder auf seine Weise Spaß. Einige haben diesen übertrieben, einer so stark, dass er am nächsten Morgen Kreislaufprobleme hatte.
Fazit: Habe zwei Dinge gelernt. Erstens: Nimm auch große Schüler beim Reisen an die Hand. Zweitens: Nach 22.00Uhr ist auf der Hallig der Vogel los.
 
1. Tag: Sonntag, 19.September 2010(Laura und Betül)
 
Nachdem wir alle mit ordentlichem Armmuskelkater aufwachten, starteten wir gegen 8.00 Uhr in unseren ersten Tag. Das Frühstück war lecker, aber etwas mager, da wir alle vergessen hatten etwas Essbares mitzubringen. Unsere Lehrer Herr Bagdonat und Frau Bielitz waren hierbei unsere Retter. Um 9.00 Uhr ging es dann in voller Montur los in Begleitung von Carmen und Jürgen. Wir hatten nun eine 6-stündige Wanderung vor uns... Unser erster Stopp war die Halligschool. Unsere beiden „Führer“ erzählten uns, dass es hier auf Langeneß nur eine Klasse mit 14 Schülern und 2 Lehrern gibt. Einfach unglaublich! Weiter gings und wir kamen nun zur Kirchwarf. Es erwartete uns jedoch keine übliche Kirche, da sie keinen Kirchturm besitzt aufgrund der Windstärke. Außerdem gab es in der Kirche keine Wandmalerei wegen der Gefahr vor Sturmfluten. Wir wanderten weiter bis zum Hafen, an dem wir unsere erste Pause einlegten. Als wir alle wieder Kraft gesammelt hatten, wanderten wir weiter bis zum Quermarkenfeuer. Dieses ähnelt einem Leuchtturm, nur das sich das Licht nicht dreht. Das Quermarkenfeuer dient zur Orientierung der Schiffe, damit sie ihre Fahrrinne halten. Anschließend liefen wir stundenlang an der Küste entlang. Wir hatten den ganzen Tag Glück mit dem Wetter, nur zum Schluss erwischte uns noch ein netter Regenschauer zur Einstimmung auf den nächsten verregneten Tag. Am Abend gab es zur Stärkung Chili con carne, wobei wir Besuch von unserem Nachbarn Jens (89 Jahre) bekamen. Diesem verschlug das Chili regelrecht die Sprache. Der redselige alte Mann war die Schärfe nämlich nicht gewohnt. Danach hatten wir Freizeit und fielen alle erschöpft ins Bett.
 
2. Tag : Montag, 20. September 2010(Beatrice, Marlene, Denice)
 
Am frühen Morgen, kurz nach dem Frühstück, stellten wir alle fest, dass unsere Nervennahrungsvorräte zur Neige gingen und beschlossen, dass wir nur mit einem erhöhtem Zuckerspiegel bei dem schlechten Wetter draußen überleben könnten. Also gingen wir zur Hunnenswarf auf der sich der Halliger „Supermarkt“ befindet. Durch Wind und Wetter (Sichtverhältnisse: schlecht, Temperatur: gefühlte Minusgrade, Windstärke: geschätzte 10) erkämpften wir uns zusammen mit unseren Lehrern den Weg zum ersehnten und einzigen Futterplatz. Dort angekommen quetschten wir uns in  den „Hallig Kaufmann“ und plünderten das Süßigkeitenregal. Schwer bepackt, völlig erschöpft aber zufrieden machten wir uns frohen Mutes auf den Rückweg. Doch dann brachte uns der monsunartige Regen zurück in die Realität und die Endorphine flüchteten wieder zurück in die Schokolade-wir zurück ins Haus. Aufgrund des schlechten Wetters wurde die Salzwiesenexkursion um zwei Tage verschoben, sodass nur noch die Wattwanderung geplant war. Am späten Nachmittag ging es dann auch schon los und wir sahen dem Schlammgewühle mit Vorfreude entgegen. Kaum mit den nackten Füßen im Schlamm gelandet, schien es, als wolle uns der Regen ertränken. Tapfer folgten wir den Leuten aus der Schutzstation und ließen uns alles über Muscheln, Wattwürmer und Co erklären. Nach etwa zwei Stunden war ein Spiel angekündigt in dem Frau Bielitz uns in der Hauptrolle als Schweinswal begeisterte.
Voller Zuversicht, dass unsere Füße bald wieder Gespür erlangen könnten, traten wir den Heimweg an. Zuhause wärmten wir uns an einer Tasse Tee und leckeren Nudeln mit Tomatensoße.
 
3. Tag: Dienstag, 21.September 2010 (Antonia, Alena)
 
Von der Wattwanderung erholt, starteten wir mit einem ausgewogenen Frühstück in den Tag. Mit vollgeschlagenen Bäuchen legten wir gleich mit den Experimenten an den gefunden Wattschätzen los. Die Einen bauten ein Seesterngefängnis, die anderen schauten Seepocken beim Atmen zu und wer gar nicht fehlen durfte, war Herr Bagdonat, unser Paparazzo, dem nichts durch die Lappen ging. Nach einer kurzen Stärkung ging es auf zu einem Hallig-Museum, wo wir bestaunen konnten, wie früher hier gelebt wurde. Unsere Museumsführerin glich glatt einem Audioguide, was dennoch unser Interesse weckte. Kaum zu glauben, dass die Friesen früher so klein waren, der Höhe des Hauses nach zu urteilen.Dennoch hatten wir Zeit für uns. Einige machten den örtlichen „Lütten Hallighof“ andere bereiteten sich auf den abendlichen Kurzvortrag über bestimmte Vögel vor oder spielten Fußball, wobei unser lieber Jannis im Priel landete.
Zum Abendbrot gab es von unseren Küchenjungs Jannis und Sebastian Würstchen mit Kartoffelsalat mit Apfel, was einige irritierte. Nach dem Abwasch zeigten unsere Zivis Dias von Wattvögeln, die wir mit unserem erworbenen Wissen ergänzten.
Schließlich hatten wir wieder Zeit für uns. Diese verbrachten wir mit Skip-Bo battlen, die Baggi genüsslich auf seine Art kommentierte. Ungefähr um 22:30 waren alle in den Federn, da der nächste Tag schon auf uns wartete.
 
4.Tag: Mittwoch, 22.September 2010(Melanie, Alex, Marcel)
 
Nach einem ausgewogenen Frühstück machten wir uns an diesem Tag für die verschobene Salzwiesenexkursion fertig. Barfuß trafen wir uns alle vor dem Gebäude und gingen einige Schritte, über die Brücke vor dem Haus, runter zur Wiese. Dort begannen unsere Betreuer gleich mit dem ersten Spiel. Wir sollten uns zu einer Raupenkette formieren und die Augen schließen. Sarah die FÖJ'lerin ging vor und führte uns von der Straße hinunter ins „Feuchte.“  Unsere ersten Eindrücke waren sehr kalt und glibschig. Man erzählte uns allgemeine Sachen zum Thema Salzwiese, wie z.B. die Einteilung der Salzwiesen, in welcher wir uns befinden und woran man die Zonen unterscheiden kann. Wir teilten uns in kleine Zweier- und Dreiergruppen ein und erhielten ein Blatt an dem wir eine charakteristische Beschreibung einer Pflanze durchführen mussten. Danach tauschten wir die Zettel und jede Gruppe, musste anhand der vorherigen Beschreibung die Pflanze auf der Wiese finden. Zum Abschluss erhielten wir Informationsblätter über die Pflanze die wir finden mussten. Anhand derer sollten wir eine kurze pantomimische Darstellung vor der Gruppe darstellen die zeigt, wie die Pflanze mit dem Salzwasser umgeht. Über die Vorführungen amüsierten wir uns alle sehr. Manche Pflanzen filtern das Salz aus dem Wasser raus, andere werfen Blätter mit Salz ab, erklärte uns Waldi.
Nach einer kurzen Freizeitpause, ging es los zu den Vögeln wo uns Sarah, Carmen und Joni begleiteten. Ausgerüstet mit Stativen, Spektiven und zahlreichen Ferngläsern gingen wir in Richtung Osten der Hallig. Das Wetter war schön, darum machte uns der Fußweg an diesem Tag besonders Spaß. An der Lorenbahn gingen wir ein Stückchen entlang und positionierten uns an einer Bank, wo wir einen sehr guten Blick auf die Wattvögel hatten. Wir spielten ein weiteres kleines Spielchen, die Zivis und Praktikanten stellten über das Spektiv Vögel ein und wir mussten mithilfe von unserem angeeigneten Wissen herausfinden, um welchen Vogel es sich speziell handelt. Gesehen haben wir den Flussregenpfeifer und viele Enten. Uns allen machte es sehr Spaß, darum beschlossen wir ein Erinnerungsfoto von diesem Moment zu machen.Den Rest des Nachmittags hatten wir frei, wir beschlossen in einer großen Runde Ball zu spielen und dies taten wir dann auch bis zum Sonnenuntergang.
 
5. Tag ,Donnerstag, 23.09.2010 (Jannis, Calvin,Sebastian)
 
Wir brachen im Morgengrauen im Dunklen zu unserer zweiten Wattwanderung mit dem Ziel auf, vollzählig und unbeschadet die Nachbarhallig Oland zu erreichen. Der Einstieg ins schlickig kalte Watt gestaltete sich zunächst denkbar ungemütlich, nachdem spätestens an der Hunnenswarf, wo wir die Hallig verließen, die letzten sich ihrer Schuhe entledigten. Praktischerweise mussten wir bis zur genannten Warf keine 2km zurücklegen.
Anmerken möchte ich an dieser Stelle, dass Sebastian es sich erneut nicht nehmen ließ, den Marsch im Neoprenanzug anzutreten. Erst die langsam aufgehende Sonne schenkte den übrigen einen Hauch von Gespür für die eigenen Gliedmaßen.
Das Wetter zeigte sich diesmal auch tatsächlich gnädig mit, sodass uns sintflutartige Regengüsse diesmal erspart blieben und wir vergleichsweise komfortabel parallel zum Lorendamm, auf dem die Dagebüll, Oland und Langeneß verbindende Halligbahn, allerdings nicht zu kommerziellen Zwecken, fährt, unseren Weg gehen konnten.
Wir erreichten schließlich Oland in geschwindigkeitsrekordverdächtiger Zeit, ohne auf der Strecke tiefste Priele und Treibschlick auszulassen. Nach einem kurzen Besuch des Ortes, einem schnellen Blick in die örtliche, zwei Schüler starke Schule und schließlich der Besichtigung der Kirche, kehrten wir in ein Kaffee ein, um Kaffee und Kuchen zu essen.
So gestärkt traten wir den Rückweg an.
Wir betraten die Hallig wieder an der Hunnenswarf, überquerten Langeneß und kehrten dann entlang der Südseite zur Peterswarf zurück
Vermutlich noch in einer Mischung aus Rausch und Wahn wagten ein paar Irre, einschließlich der Lehrerschaft das Bad in der inzwischen wieder gefluteten Nordsee.
Der tapfere Autor aber war erschöpft genug, um nach ein paar wie eh und je sehr ernsthaft und kampfbetont ausgetragenen Partien Skip-Bo und Shithead seinen ihm wohl verdienten Schlaf nachzuholen und verpennte den Rest des Tages sowie beinahe das Abendessen.
Es ist mir jedoch persönliches Anliegen an dieser Stelle nicht die köstlichen Böreks, die Laura und Betül, allen Widrigkeiten zum Trotz, uns behelfsmäßig zauberten.
Im Anschluss wurden die vor der Abfahrt am Freitag noch anstehenden Putz- und Aufräumarbeiten koordiniert.
Einen gehörigen Abschluss bescherte uns endlich die Haustruppe mit einer sehr berührenden, bisweilen dramatischen Diaschau.
 
Abreisetag ,24.09.2010 (Bd)
 
Irgendwie war ich schon wieder überrascht. Vorfristig waren alle aus dem Bett und alles blitzte wie am ersten Tag. Traurig war es schon als wir uns verabschiedeten und mit dem Halligtaxi zur Fähre chauffiert wurden. Um 7.30 Uhr Leinen los und First-class-Frühstück auf der Fähre. Das macht den Abschied etwas leichter. Wetter ist lala, neblig und kühl, aber man konnte auch ohne Jacke an Deck gehen. Wichtige Information: Alle waren an Bord und haben das Schiff gesund verlassen. Alena wurde an der Fähre abgeholt. Nun warten wir nur noch 14 und guten Mutes, die Heimreise ohne Panne zu schaffen. Und…….es klappte. Pünktlich waren wir um 16.10Uhr am Hauptbahnhof….und…
…….hatten viel zu erzählen.
 
Fazit: Dufte Truppe, keine Meckerer, alle sauber, gute Köche, liebe Menschen mit nur kleinen Macken und zukünftige Halligbewohner.
 
Anmerkung 1: Im Text wurde „de lütt Hallighuus“ genannt. Leider hat keiner der Kids mitbekommen, dass dies der Name für den Bioladen (jetzt staunt der Reisende) neben dem Halligkaufmann war.
 
ANMERKUNG 2: Ich bedanke mich auch ihm Namen meiner Kollegin für eine tolle gemeinsame Zeit bei allen tapferen Wattwanderern.