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Informationen zum Fach Latein

An der Sophie-Charlotte-Oberschule wird Latein als dritte Fremdsprache ab der Klasse 9 angeboten. Das Latinum wird am Ende der Kursphase erworbenwenn das 4. Semester mit mindestens 5 Punkten abgeschlossen wird.

Wettbewerbe

Humanitas - Die Diskrepanz von Theorie und Praxis am Beispiel der Sklaverei
 
Der Grundkurs Latein 12 erhält den 1. Preis für einen Wettbewerbsbeitrag an der Universität Potsdam

 
Alles fing damit an, dass wir von der Universität Potsdam zu einer Latein-Vorlesung eingeladen wurden. In der Vorlesung wurde die Frage gestellt, ob römische Werte geeignet seien, moralische Fragen in heutigen Krisenzeiten zu beantworten. Unsere spontane Antwort war „Nein!“. Denn die römische Gesellschaft war eine Sklavenhaltergesellschaft.
 
Kann man am Beispiel einer Sklavenhaltergesellschaft überhaupt das Thema humanitas darstellen? Ist es nicht vermessen, ausgerechnet am Beispiel der Behandlung von Sklaven nach Parallelen zur heutigen Gesellschaft zu suchen? Die rechtliche Position der Sklaven als res, als Sache, lässt dies zunächst vermuten, und als wir auf den Fall des Pedanius Secundus stießen, war die Diskrepanz zu heute ganz offensichtlich.
 
Ein römischer Bürger, ein Senator, wird von seinem Sklaven ermordet. Das Gesetz verlangt nun, dass alle Sklaven des Haushalts getötet werden müssen.
 
Grausam!
 
Aber es kommt noch schlimmer!
 
In diesem Fall umfasst der Haushalt des Pedanius Secundus 400 Sklaven. Sollen tatsächlich alle 400 getötet werden? Das nämlich fordert der Senator Gaius Cassius in seiner Rede vor dem Senat. Und seiner Forderung wird auch entsprochen!
 
Für demokratische Länder völlig undenkbar und inakzeptabel!
 
Aber wir wollten die Sache genauer untersuchen. Wir haben uns seine Argumentation angesehen. Und wir haben einen Zeitgenossen des Senators Cassius gefunden, der eine völlig entgegengesetzte Meinung zur Behandlung von Sklaven vertritt – Seneca! Philosoph und kaiserlicher Berater.
 
Während Cassius die Meinung vertritt, dass Sklaven nur durch Furcht und Abschreckung von einer solchen Tat abgehalten werden, glaubt Seneca, das respekt- und liebevolle Behandlung und Aufnahme der Sklaven in die familia die Gefahr eher bannen könnte. Eine durchaus moderne Haltung!
 
Aber wir fanden noch mehr Unterschiede. Während Cassius von einer angeborenen dignitas der domini ausgeht, die eine Sklavenhaltergesellschaft als naturgegeben ansieht, erkennt Seneca die Zufälligkeit dieser gesellschaftlichen Zuordnung. Der Wert eines Menschen liegt im Auge des Betrachters. Hier zeigen sich schon Ansätze einer grundsätzlichen Anerkennung der Gleichheit aller Menschen, die letztendlich in den Menschenrechten ihren Ausdruck findet. Man könnte also sagen, dass Senecas Philosophie, eigentlich die Philosophie der Stoa, den ersten Keim für eine Akzeptanz der Gleichheit aller Menschen losgelöst von ihrer sozialen Herkunft legt.
 
Allerdings fiel uns auch auf, dass Seneca als Philosoph sich eher theoretisch mit der Frage der Gleichheit der Menschen auseinandersetzt. Er ist es auch, der seine Position mit einem Rückgriff auf eine fiktive Vergangenheit, in der die mos maiorum noch gegolten hat, untermauert.
 
Cassius dagegen ist der Pragmatiker, der ganz in seiner Gegenwart gefangen bleibt. Sein Prinzip der Abschreckung geht schon im eigenen Haus nicht auf.
 
Die beiden Senatoren werden sich in unserem Film nicht einigen.
 
Aber könnten sie das heute? Was hat sich seitdem geändert? Die Menschenrechte werden heute grundsätzlich von allen Staaten anerkannt, in Deutschland haben wir das Grundgesetz. Aber wie sieht die Realität aus? Diese Fragen haben wir uns gestellt.
 
Um die Vernetzung von Antike und Gegenwart auch gestalterisch deutlich zu machen, haben wir die modernen filmischen Medien der Information und Meinungsbildung gewählt – Nachrichtensendung, Reportage und Talkshow. Die historischen Figuren Cassius und Seneca bleiben aber Vertreter ihrer Zeit. Sie sprechen fast ausschließlich in Originaltexten, die wir dialogisiert haben – keine Sorge, die Texte sind auch für Nichtlateiner zu verstehen. Um die Figuren nicht nur redend, sondern auch handelnd zu zeigen, haben wir Cassius einen vorlauten Sklaven an die Seite gestellt, wie er z. B. in den Komödien des Plautus vorkommt.
 
Wie wir die Gegenwart sonst noch in unseren Film integriert haben, wollen wir aber noch nicht verraten. Das könnt ihr in unserem Film sehen.
 
Die Vorbereitung und Konzeption wurden von Frau Preuß und Frau Weingartz unterstützt. An einem Wochenende haben wir unter Anleitung von Frau Frisius, einer professionellen Kamerafrau, den Film gedreht. Dass wir für unseren Beitrag den 1. Platz erreicht haben, macht uns schon stolz.
 
Aber nun: Film ab und viel Spaß!
 
Fotos zum Filmworkshop können hier angesehen werden.