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Soireen

Inhaltsverzeichnis

  1. Matinee "Wider das Vergessen"
  2. Soirée: "Verlorene Jugend"
  3. Soirée mit Kati Jauhiainen
  4. Soirée: NY meets SCO 2006
  5. Politik-Diskussion anlässlich der Bundestagswahl 2005
  6. Soirée zum Thema Essstörungen
  7. Soirée mit Inge Deutschkron
  8. Soirée mit Frau Herzberger
  9. Soirée zum Thema USA
  10. Soirée mit Prof. Dr. Robert Norton
  11. Soirée mit Frau Dr. Helga Hirsch
  12. Soirée mit Prof. Dr. David Large
  13. Soirée mit Lorenz Maroldt
  14. Soirée mit Carola Stern
  15. Soirée mit Frau Itidal Salame
  16. Soirée mit Prof. Dr. Gerhard Dengler
  17. Soirée mit Volker Schlöndorff und Dieter Schenk
  18. Schulklassengespräch mit Hans Eichel


Matinee "Wider das Vergessen"

Die auch für die Öffentlichkeit bestimmte und sehr gut besuchte Schriftstellerlesung am 9. November 2008, in unserer Schule, die daran erinnerte, dass vor 70 Jahren - im Jahre 1938 - durch das Hitler-Regime in ganz Europa schreckliche Pogrome an der jüdischen Bevölkerung durchgeführt wurden, bereicherte das Schulleben unseres Gymnasiums in hohem Maße.

Der Lesung, die von der pädagogischen Koordinatorin Frau Hammer in Zusammenarbeit mit dem Berliner
Schriftstellerverband organisiert wurde, ging ein kleines Programm voraus, das von Schülern der Klasse 11.2 und vom neugegründeten Schulorchester unter Leitung von Frau Dr. Nagorsnik gestaltet wurde.
Während Nadja, Carsten, Jenifer und Piere aus dem Leben der Malerin Helga Weissova-Hoskova, die als Kind das Ghetto Theresienstadt und das Vernichtungslager Auschwitz überlebte, berichteten, beeindruckten deren im Ghetto gemalten und nunmehr als Fotos gezeigten Kinderzeichnungen. Musikalisch unterlegt wurden die Kunstwerke von Helga Weissova-Hoskova, die heute als bekannte Malerin in Prag lebt und deren Werke als kindliche Dokumente unter dem Titel "Zeichne, was du siehst" um die Welt gehen, mit den vom Orchester intonierten jiddischen Weisen "Donna, Donna" und der Hymne "Y´rushalayim Shel Zahav" (Jerusalem Of Gold").


Nach den Begrüßungsworten des Schriftstellers Horst Bosetzky und des Schulleiters unseres Gymnasiums, Herrn Schmerling, las Inge Deutschkron aus ihren Erinnerungen, die sie unter dem Titel "Ich trug den gelben Stern" veröffentlichte. Der Auszug aus ihrem Werk verdeutlichte die schwierige Situation für die um ihr Überleben kämpfenden Juden während der Zeit des Nazi-Terrors.
Horst Bosetzkys Text aus seinem Roman "Zwischen Kahn und Kohlenkeller" zeigte, wie schwierig es für die
Jugendlichen von damals war, sich dem Einfluss der nationalsozialistischen Ideologie zu entziehen.
Regina Scheer schließlich legte in einer beeindruckenden biografischen Recherche, die ihr über das Leben der Jüdin und Widerstandskämpferin Fancy Glück gelang, dar, wie ein junge Berlinerin versuchte, sich den
Nationalsozialisten zu widersetzen, anderen Verfolgten in der Not zu helfen und schließlich selbst von der
Gestapo ermordet wurde.

Die anschließende Diskussion, moderiert vom Schülersprecher Maximilian, die trotz fortgeschrittener Zeit geführt wurde, bestätigte, dass solche Veranstaltungen helfen, dem Antisemitismus zu begegnen und gleichzeitig anregen, sich mit der Literatur, die den Holocaust thematisiert, zu beschäftigen.

Dr. Nagorsnik
Berlin, 9. November 2008

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Soirée: "Verlorene Jugend"

Soirée am 8. November 2007 um 19.00 in der Aula der SCO zum Auftakt der 150-jährigen Jubiläumsfeierlichkeiten


Um den Trailer zu sehen, klicken Sie bitte auf das Bild.

Im Programm stand ein Zeitzeugengespräch mit den ehemaligen Schülerinnen Eleonore Hertzberger, Ursula Mamlok und Inge Deutschkron. Zu Beginn haben wir ihnen eine aufwändige Fernsehdokumentation über die Geschichte und das Leben dieser drei Damen gezeigt, die Schüler in den in den letzten Monaten produziert hatten.


Die Sophie-Charlotte-Oberschule bzw. die Menschen, die dort lernten und lehrten, haben in den 150 Jahren der Schulgeschichte eine Menge erlebt. Bis zur Nachkriegszeit war die Schule eine Mädchenschule und hieß "Fürstin-Bismarck-Schule". Bis Ende der 1930er Jahre wurden alle jüdischen Schülerinnen von der Schule verwiesen. Inge Deutschkron und Ursula Mamlok (damals Ursula Mayer) waren unter ihnen und haben durch glückliche Umstände den Krieg überlebt. Ursula Mamlok lebte bis vor kurzer Zeit in New York, wurde eine berühmte Komponistin. Inge Deutschkron fand Schutz in der "Blindenwerkstatt Otto Weidt" und machte nach dem Krieg Station unter anderem in Bonn und Tel Aviv als Journalistin. Eleonore Hertzberger (damals Eleonore Katz) verließ das Lyzeum schon 1935, sie fühlte sich nicht mehr wohl in der zunehmend antisemitischen Umgebung. Sie ging mit ihren Eltern in die Niederlande und fing dort ein neues Leben an, lernte ihren Ehemann, Eddie Hertzberger, kennen. Im Krieg arbeiteten sie im Untergrund für die Exilregierung von Holland.


Alle drei haben eine Vergangenheit, die es zu erzählen gilt. Schüler der SCO haben, als Auftaktveranstaltung des 150-jährigen Jubiläums unserer Schule, eine aufwändige Fernsehdokumentation produziert, die diese Vergangenheit beleuchtet. Nach fast 70 Jahren treffen sich darin die ehemaligen Klassenkameradinnen Mamlok und Deutschkron. Die Autoren gingen in Amsterdam auf Spurensuche und zeigen, was die drei Protagonistinnen heute machen.

 

Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 11.2 und ein Kunstkurs haben zusätzlich eine Ausstellung zu Charlotte Salomon präsentiert. Sie hat Kunstgeschichte geschrieben und war ebenfalls eine ehemalige Schülerin der Fürstin-Bismarck-Schule, wie die SCO früher hieß. Eleonore Hertzberger ging mit ihr sogar in eine Klasse.

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Soirée mit Kati Jauhiainen

Haikki top in PISA - warum denn nicht Lisa?
Was machen die an den finnischen Schulen eigentlich anders als wir bei uns in Deutschland?

Soirée am 27. April 2006 um 19 Uhr in der Aula der SCO mit Kati Jauhiainen - Diplom-Pädagogin und Kommunikationstrainerin aus Finnland

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Soirée: NY meets SCO 2006

Am 20.02.2006 fand an unserer Schule eine etwas andere Soirée statt. Eingeladen waren nicht nur die New Yorker Austauschschüler und -schülerinnen, die zu diesem Zeitpunkt gerade zu Gast bei Schülern der 12. Klasse waren, sondern auch der US-Botschafter William R. Timken Jr. und unsere Charlottenburger Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen.
Ansprachen hielten Frau Bannehr, Frau Moschin, Herr Hillmann und der New Yorker Koordinator des Projektes. Es wurden Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten der beiden Städte aufgezeigt, aber auch die Veränderungen, die die Austauschschüler während ihres Aufenthaltes in der Gastfamilie erfahren.
So ging man dann auch nicht auf die internationale Politik ein, vielmehr standen die Zusammenkunft und das persönliche Kennenlernen der Schüler beider Länder im Vordergrund.
Anschließend hielten auch der US-Botschafter und die Bezirksbürgermeisterin Willkommensreden.


Die amerikanischen Austauschschüler gehörten alle dem Key-Club an, der in seiner Funktion mit dem Rotary- oder Lions-Club verglichen werden kann. Sie engagieren sich ehrenamtlich in sozialen Projekten, wie zum Beispiel der Obdachlosenhilfe. Einmal im Jahr wird ihnen als Belohnung für ihren Einsatz eine Reise ins Ausland angeboten, dieses Jahr nach Berlin.
Die Austauschschüler von der Abraham-Lincoln-Highschool stellten uns mit Hilfe einer Powerpoint-Präsentation ihre Schule und deren Besonderheiten vor. In einem weiteren Vortrag berichteten sie über die Stadt New York aus der Sicht junger Amerikaner.
Angesichts der bereits fortgeschrittenen Zeit fiel die anberaumte Diskussion in Kleingruppen leider aus, der Abend neigte sich langsam dem Ende zu.
Jedoch nutzten die Schüler noch die Gelegenheit einige Gruppenfotos zu machen.

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Politik-Diskussion anlässlich der Bundestagswahl 2005

Am Mittwoch, den 7. September 2005 hat eine Soirée anlässlich der Bundestagswahl am 18.09.  stattgefunden. Eingeladen waren die drei Direktkandidaten Charlottenburg - Wilmersdorfs Petra Merkel (SPD), Jürgen Schick (FDP) und Natalie Rottka (PDS) sowie jeweils ein Repräsentant der CDU, Andreas Statzkowski, und der Grünen, Felix Tintelnot.

Diskutiert werden sollten die Themen Bildungspolitik, Arbeitsmarkt und Außenpolitik.
Auf Grund der erhitzten Diskussionen, sind wir jedoch leider nicht mehr dazu gekommen, letzteres zu erörtern, da die Aula wie immer um 21:30 Uhr geräumt werden musste.

Nach Herrn Kuhrings obligatorischen einleitenden Worten stellten alle fünf Kandidaten mehr oder weniger kurz die wesentlichen Punkte ihrer Parteiprogramme vor, die schon ersten Anlass zu Diskussionen gaben.

 


Die Zuschauer stellten meist themenbezogene Fragen, welche die Experten bereitwillig beantworteten.
Zwischenzeitlich entstand jedoch eine sehr aggressive Atmosphäre, die Kommentare blieben leider nicht immer ganz sachlich. So war das Eingreifen des Soirée-Teams gelegentlich notwendig.
Besonders das Thema der Bildungspolitik erhitzte die Gemüter.

Die Soirée half sicher einigen dabei, sich eine Meinung zu bilden bzw. Klarheit bezüglich ihres Wahlwunsches zu gewinnen. Doch auch für alle, die sich schon entschieden hatten, war dies eine lohnenswerte Veranstaltung, da sich die Möglichkeit bot, mit den Direktkandidaten des Bezirks zu diskutieren und diese einmal persönlich kennen zu lernen.

Auf diesem Weg noch einmal vielen Dank an das Soirée-Team sowie an die Repräsentanten der Parteien!

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Soirée zum Thema Essstörungen

Am 14. April 2005 fand die zweite Soirée dieses Schuljahres statt. Eingeladen waren diesmal die Jugendbuchautorin Christine Feher und Herr Dr. med. Korthe von der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Virchowklinikums. Zahlreiche Schüler, Eltern und Lehrer waren erschienen, um sich über das Thema Essstörungen zu informieren und zu diskutieren. Herr Kuhring gab  eine interessante persönliche Einführung in das Thema und warf die Frage, ab wann man denn eigentlich "essgestört" sei, auf, welche auch später geklärt werden sollte. Zunächst las Christine Feher aus ihrem Buch "Dann bin ich eben weg" vor, welches autobiographische Züge trägt. Darin geht es um die 15-jährige Sina, die, von Selbstzweifeln gequält, immer tiefer in die Magersucht hineinrutscht. Wir hörten verschiedene Episoden aus Sinas Leben und hatten danach die Möglichkeit mit der Autorin sowohl über ihre eigenen Erfahrungen als auch über das Buch zu sprechen.

Nach einer kurzen Pause führte Herr Dr.med. Korthe uns eine sehr informative Powerpoint-Präsentation vor, in der er auf die verschiedenen Essstörungen und deren Merkmale einging. Danach nutzten viele Gäste die Gelegenheit und stellten Fragen, die ihnen auf der Seele brannten. Bald musste die lebhafte Diskussion jedoch abgebrochen werden, da es schon recht spät war.

Alles in allem war dies also ein sehr spannender, aber auch informativer Abend. Vielen Dank noch einmal an unsere Gäste und an das Soiréeteam, welches wieder ganze Arbeit geleistet hat.

Wichtig: Das Soiréeteam um Herrn Hillmann mit Sophia Borowka, Katerina Hadjiyska, Jutta Hoppe, Maike Lehnart, Lucia Reh und Mika Straka sucht neue Mitglieder!!! Falls ihr Interesse habt, wendet euch doch einfach an das Team.

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Soirée mit Inge Deutschkron

 


Foto Bernd Gartenschläger

Wie ihr sicherlich wisst, war am Abend des 18.11.04 Ingeborg Deutschkron zu Gast in unserer Schule.

Das Organisationsteam (Mika Straka, Lucia Reh, Maike Lehnert und Sophia Borowski) um Herrn Hillmann hatte sich bei den Vorbereitungen größte Mühe gegeben. Nach einer wie immer sehr gelungenen Vorstellung des Chors (Proud) hielt Herr Kuhring eine kurze Ansprache, in der er alle Versammelten begrüßte.

Es folgte eine Lesung aus Inge Deutschkrons Buch, danach durfte das Publikum Fragen stellen. Den Abschluss dieses gelungenen Abends bildeten Aziz und Sophia mit Kurt Weills "Der Ja-Sager".

Doch nun endlich zu Frau Deutschkron, die von 1933 bis 1935 Schülerin unserer Schule (damals noch Fürstin-Bismarck-Schule) war. Ungeachtet ihres Alters erzählte sie sehr lebhaft und fesselnd aus ihrem Leben.

Aber fangen wir von vorne an. Ingeborg Deutschkron wurde 1922 als Kind jüdischer Eltern in Finsterwalde geboren, zog mit 5 Jahren nach Berlin. Sie genoss eine nicht religiöse Erziehung, sodass sie, bis ihre Mutter es ihr 1933 erzählte, gar nicht wusste, dass sie jüdischer Abstammung war.
Wegen seines Engagements bei den Sozialdemokraten wurde ihr Vater, ein Oberstudienrat, sofort entlassen, als die Nazis an die Macht kamen: Politische Funktionäre der Opposition galten von nun an als Staatsfeinde.Mit den Nürnberger Gesetzen 1935 endete auch für Inge Deutschkron das bis dahin relativ sorglose Leben. Jüdische Schüler und Schülerinnen durften nicht mehr zusammen mit ihren Klassenkameraden wandern oder schwimmen gehen, wurden diskriminiert.
So wechselte sie, wie viele andere jüdische Kinder, auf die Jüdische Schule. Ihre Schulzeit dort war sehr unruhig, da ein ständiges Kommen und Gehen herrschte. Nicht nur viele Schüler, sondern auch Lehrer verließen plötzlich das Land.
Die Progromnacht am 9. November 1938 gab schließlich allen jüdischen Bürgern zu verstehen, dass sie in diesem Land nicht mehr erwünscht seien, ihr Leben war nicht mehr sicher.
Doch Juden , die auswanderten, waren praktisch mittellos: Neben 10 Mark durften sie nur ein wenig Silberbesteck mitnehmen. Im Ausland trafen sie vollkommen unvorbereitet ein, die Sprache war ihnen fremd und meist mussten sie einen neuen Beruf erlernen, wozu allerdings oft das Geld fehlte. Außerdem fiel es ihnen natürlich schwer, ihre Freunde und Verwandten, ihr ganzes Leben zurückzulassen.
Trotzdem flüchtete Inges Vater nach den Progromen 1938 nach England, Frau und Tochter sollten nachkommen. Dies verhinderte allerdings der Ausbruch des Krieges.
Nach Kriegsbeginn gab es weitere Einschränkungen für Juden, sie durften zum Beispiel zwischen 8 Uhr abends und 6 Uhr morgens die Häuser nicht verlassen, die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel war ihnen ab sofort untersagt.
1941 fanden erste Deportationen statt. Inge und ihre Mutter wurden ein Jahr später in ein Judenhaus eingewiesen. Elf Personen mussten sich eine Wohnung teilen, die Atmosphäre war bestimmt von Angst, Unruhe und Gerüchten.
Nachdem die Jüdische Schule 1939 geschlossen worden war, hatte Inge zuerst als Haushaltshilfe gearbeitet, nun erhielt sie einen Arbeitsplatz in der Blindenwerkstatt Otto Weidts. Dort stellten 30 jüdische Blinde Bürsten und Besen her. Doch es wurden auch sehende Arbeiter gebraucht, welche die Produktion vorbereiteten. Inge und zwei weitere jüdische Frauen arbeiteten im Büro der Werkstatt, was Juden eigentlich streng verboten war. Otto Weidt setzte sich stets für seine jüdischen Arbeiter ein.
Wenig später nahmen Freunde, die eine Wäscherei besaßen, Inge und ihre Mutter auf. Sie hatten vom Sohn der Nachbarn erfahren, was mit den Juden in den Konzentrationslagern geschah. So begann 1943 ihr Leben im Untergrund. Schon bald halfen ihnen weitere alte Freunde. Doch ständig mussten Inge und ihre Mutter das Versteck wechslen, da stets die Gefahr bestand, dass jemand etwas ahnen könnte. Ein anderes Problem war die Ernährung. Da die beiden keine Lebensmittelkarten erhielten, waren sie vollkommen abhängig von ihren Freunden. Je länger der Krieg andauerte, desto misslicher wurde die Lage.
Nach Kriegsende folgten Inge und ihre Mutter endlich dem Vater nach England. Dort wurden sie jedoch als Deutsche, also als Feinde, gesehen. Schließlich kehrte Inge 1956 nach Deutschland zurück. 1978 wanderte sie dann nach Israel aus, wo sie bis vor zwei Jahre lebte.

Inge Deutschkron verfasste mehrere Bücher, welche alle autobiographische Züge tragen. Ihr aktuelles Buch nennt sich "Offene Antworten".
Am 16./17./18. Februar 2005 wird im Gripstheater das Stück "Ab heute heißt du Sarah" aufgeführt, welches auf ihrem Buch "Ich trug den gelben Stern" beruht.

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Soirée mit Frau Herzberger

Vortrag und Diskussion mit Frau Herzberger am 11.11.2003 um 9:45 (3./4. Std.) in der Aula

Frau Herzberger, ehemalige jüdische Schülerin der Fürstin-Bismarck-Schule (früherer Name der SCO) berichtet über ihr Leben, unter anderem über ihre Zeit im niederländischen Widerstand. Vor 70 jahren musste sie fluchtartig Berlin verlassen.

Teilnahme: ausgewählte Klassen

anschließend ist eine Pressekonferenz geplant

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Soirée zum Thema USA

Transatlantisches Verhältnis zwischen den USA und Deutschland

Gäste: Karsten D. Voigt (Koordinator der Bundesregierung für deutsch-amerikanische Beziehungen; Dr. Thomas Greven (Professor am John F. Kennedy Institut der FU Berlin)

Montag 16. Juni 2003, 19 bis 21 Uhr - Vortrag und Diskussion in der Aula

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Soirée mit Prof. Dr. Robert Norton

Datum: 2. Juli 2002 - Uhrzeit: 19.00 Uhr - Ort: Aula

Zu einem besonderen "Leckerbissen" ist die Schulgemeinschaft des Sophie-Charlotte-Gymnasiums in der Sybelstr. 2 diesmal eingeladen: Gast des Abends wird der amerikanische Germanist Prof. Dr. Robert Norton sein, der nach Promotion in Princeton  seit einigen Jahren an der Notre Dame University in Indiana arbeitet. Zur Zeit hält er sich in Berlin auf und hat sich erfreulicher Weise bereit erklärt, in seinem makellosen Deutsch zu uns über das Thema seines letzten Buches zu sprechen. Dieses erschien im Mai 2002 in den USA unter dem Titel "The Secret Germany". Zur selben Thematik sprach er im März des Jahres auch im Rahmen einer Konferenz an der Cambridge University in England; sein Auftritt an unserer Schule ist seine erster öffentlicher Auftritt in Deutschland seit dem Erscheinen des Werks.

Bei dem Buch handelt es sich um die von der Fachwelt mit großer Spannung erwartete Biografie des deutschen Dichters und Schriftstellers Stefan George (1868-1933), der, so heißt es im Großen Brockhaus, "eine mythische Wertwelt aufzubauen begann, in der er als Seher wirkte" mit dem Ziel, "die Krise der europäischen Kultur durch die Stiftung eines "Neuen Bundes" des mythisch-aristokratischen Menschen zu überwinden". Die inhaltliche Vagheit seines Ziels bei gleichzeitiger Betonung der Notwendigkeit einer Führungsgestalt bewirkte, dass er für die Nationalsozialisten interessant war. Zu dem Kreis der "Jünger", die er um sich scharte, zählten auch die Brüder Stauffenberg, deren einer, Claus Schenck Graf von Stauffenberg, am 20. Juli 1944 vergeblich versuchte, Hitler mit Hilfe einer Bombe im Führerhauptquartier "Wolfsschanze" in Ostpreußen zu töten. Am Abend desselben Tages stand Stauffenberg vor dem Erschießungskommando im Innenhof in des Bendlerblocks und rief als Letztes "Es lebe unser heiliges Deutschland". Was meinte er damit? Welches Bild von Deutschland hätte er, so das Attentat nicht gescheitert wäre, Realität werden lassen wollen? Und woher kam sein Bild eines "heiligen Deutschland"? Es ist mittlerweile unbestritten, dass Stauffenbergs Deutschland-Vision auf Stefan George zurückgeht, zu dessen Kreis er als "Jünger" gemeinsam mit seinem Bruder zählte.

Wer war dieser deutsche Dichter, der als Sohn eines Gastwirts aus Bingen am Rhein sowohl die Nationalsozialisten ansprach als auch den Hitler-Attentäter Stauffenberg?

Prof. Norton gibt uns seine Antwort und steht im Anschluss daran zur Diskussion zur Verfügung. Es sei darauf hingewiesen, dass die "Süddeutsche Zeitung" kürzlich an prominenter Stelle Nortons Buch in einem längeren Beitrag vorgestellt hat. Die Rezension ist durchaus kritisch, was als ein Ausgangspunkt für eine Diskussion verstanden werden kann. Die Rezension ist - noch kostenlos! - unter www.sueddeutsche.de zu lesen, indem man "Archiv" anklickt und Stefan George als Suchbegriff eingibt.
Als Organisator der bisherigen elf "Soiréen" verabschiede ich mich an dieser Stelle. Ich werde für eine Weile in die USA gehen. Ich danke all jenen, die mich durch ihr Interesse und ihre praktische Mithilfe unterstützt haben. Mein großes Ziel war und ist zur (Wieder-)Herstellung einer Zivilgesellschaft beizutragen.

Der Förderverein der Schule unterstützt diese Veranstaltung.

K. Baumgart

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Soirée mit Frau Dr. Helga Hirsch

Tag: 10. Juni 2002 - Uhrzeit: 19.00 Uhr - Ort: Aula

Frau Hirsch war mehrere Jahre für die Hamburger Wochenzeitung  DIE ZEIT  als Korrespondentin in Warschau tätig und entwickelte sich dort zu einer der besten Kennerinnen politischen Szene in Polen sowie des Lebens dort. Seit einiger Zeit arbeitet Frau Hirsch als freiberufliche Journalistin, u.a. für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Ihr thematischer Schwerpunkt ist Osteuropa.

Kürzlich trat sie mit einem Buch an die Öffentlichkeit. In Joanna Wiorkiewiczs (Deutschlandfunk) Besprechung dieses Buches heißt es:

"In fast jedem Menschen lässt sich lesen wie in einem offenen Buch. Und über viele ließe sich ein Buch schreiben. Diese Feststellung ist banal, aber innerhalb bestimmter Generationen sorgt die Geschichte dafür, dass solch ein Buch dicker und spannender wird als zu anderen Zeiten. Helga Hirschs Buch "Ich habe keine Schuhe nicht" ist nicht besonders dick, obwohl sie darin von acht äußerst ungewöhnlichen Lebensgeschichten erzählt. Es ist ein Beweis für die ungewöhnliche Erzählkunst der Autorin, die sich trotz der Fülle des Stoffes um einen lapidaren Stil bemüht."

"Geschichten von Menschen zwischen Oder und Weichsel", wie der Untertitel präzisiert. Geschichten von Polen, die Deutsche sind, Juden, die Polen sind und Deutschen, die zeitweise Polen und zeitweise Deutsche sind.

Die Geschichten, die Helga Hirsch erzählt, zeigen, wie undankbar, wie grausam eine Heimat sein kann - in diesem Fall die polnische Heimat, die, anders Deutschland, vom Beginn ihrer Eigenstaatlichkeit im Mittelalter bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs multinational zusammengesetzt war: "Bei uns in Lodz", sagt eine der Charaktere in Hirschs Buch, "war die Identität keine Frage der Abstammung, sondern des Gefühls. Deswegen kann ich den deutschen Namen Hauptmann tragen und dennoch Pole sein. Deswegen bin ich lutherisch-evangelisch und dennoch kein Deutscher. Und deswegen konnten mich meine Eltern, obwohl sie sich als Deutsche fühlten, 1920 auf den polnischen Vornamen Jerzy (dt. Georg, K.B.) taufen, denn die nationale Zugehörigkeit hatte für sie keinen entscheidenden Stellenwert".
Indem sie die Frage der nationalen Identität von Minderheiten im multi-ethnischen Polen der Vorkriegs- und Nachkriegszeit aufwirft, öffnet Helga Hirsch auch unsere Augen für die Situation von Minderheiten und deren Suche nach Identität in Deutschland. Darf bzw. muss unser Staat auf der Loyalität von ethnischen Minderheiten bestehen?

Frau Hirsch wird uns zwei Charaktere aus "Ich habe keine Schuhe nicht" präsentieren und im Anschluss daran mit uns diskutieren.

Der Förderverein des Sophie-Charlotte-Gymnasiums unterstützt diese Veranstaltung auf bewährte Weise.

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Soirée mit Prof. Dr. David Large

(Montana State University, USA)
am Freitag, den 12. April 2002 um 18:30 Uhr in der Aula

In den Schaufenstern der Berliner Buchhandlungen liegt es seit Tagen aus, das neueste Buch von David C. Large, aus dem er während des ersten Teils unserer nächsten Soirée lesen wird:
Es trägt den Titel "Berlin. Biografie einer Stadt" und ist 660 Seiten stark. Darin beschreibt der Verfasser in griffiger Form die Geschichte Berlins zwischen den beiden deutschen Vereinigungen von 1871 und 1990, wobei allerdings auch das letzte Jahrzehnt - als Beispiel sei die "Love Parade" genannt - berücksichtigt wird.
Es geht um die kulturelle, politische, intellektuelle und auch wirtschaftliche Entwicklung der Stadt, mit welcher der Autor bereits seit Jahrezehnten vertraut ist.

Prof. Large gilt nicht nur in den USA als einer der besten Kenner deutscher Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Seine Bücher, zwei seien hier genannt, behandeln diverse Aspekte deutscher Geschichte: Sein Werk "Germans to the Front" handelt von der Problematik der Wiederbewaffnung der Bundesrepublik Deutschland in deren früherer Phase, und "Hitlers München" stellt ein Portrait der Stadt München auf dem Weg zum Nationalsozialismus dar.
Seinen akademischen Weg begann Prof. Large an der University of California in Berkley. Als Hochschullehrer arbeitete er am Smith College sowie an der Yale Univesity. Seit längerem ist er an der Montana State University tätig. Sein Weg führte ihn bereits zwei Mal an die Sophie-Charlotte Oberschule. Einmal las er vor Schülern der 12. Klasse aus seiner eindrucksvollen Arbeit über die "Nacht der langen Messer", jene erste nationalsozialistische Mordaktion größeren Stils, die auch unter dem Begriff "Röhm-Putsch" bekannt ist.

Nach einer Diskussion über den Inhalt der Lesung wird Prof. Large uns im zweiten Teil der Soirée über sein derzeit in Arbeit befindliches nächstes Buch berichten.
Diese hat gleichzeitig deutsche und amerikanische Geschichte zum Inhalt. Es handelt sich um die tragische Geschichte eines deutschen assimilierten Juden, der als dekorierter Soldat des Ersten Weltkriegs nach der Machtübernahme durch Hitler bzw. die Nationalsozialisten lange Jahre nicht glauben konnte, dass man ihn in Deutschland nicht mehr haben wollte. Als er schließlich zur Auswanderung in die USA entschlossen war, stieß er auf ein Hindernis - den amerikanischen Konsul in Stuttgart, der für die Erteilung des Visums zuständig war. Unter Bemühung diverser Vorwände verweigerte er dem Exilwilligen das Visum. Deutscher und amerikanischer Antisemitismus "ergänzten" sich hier auf bemerkenswerte Weise.
Der vorliegende Fall ist sowohl auf deutscher als auch auf amerikanischer Seite in den Akten dokumentiert. Wir dürfen mit höchst interessanten Berichten - progress report - rechnen.

Achtung: Dieser Teil der Veranstaltung findet trotz der hervorragenden Deutschkenntnisse des Gastes in englischer Sprache statt!

Der Förderverein der Schule unterstützt diese Soirée.

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Soirée mit Lorenz Maroldt

9. Soirée bei Sophie-Charlotte am Donnerstag, den 7. März 2002 um 19.00 Uhr in der Aula

Berlin - droht der finanzielle Kollaps?

Auch heute erhalten die Kreditgeber Berlins wieder mehr als sechs Millionen Euro Zinsen...
Berlins neuer Finanzsenator nannte die Höhe der Schulden des Landes Berlin kürzlich "abartig".
Betroffen ist ein jeder von uns. Doch kann auch jeder etwas tun? Wer trägt eigentlich Schuld an dieser tiefen Krise des Gemeinwesens Berlin? Muss die Bundesregierung helfen?
Lorenz Maroldt,exzellenter Kenner der Berliner politischen Szene und stellvertretender Chefredakteur des Tagesspiegel, der sich kürzlich unter dem Titel "Verpasste Chancen" äußerte, hat uns mit den Hintergründen vertraut gemacht.

Der Förderverein des Sophie-Charlotte-Gymnasiums hat diese Veranstaltung unterstützt.

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Soirée mit Carola Stern

Die Soirée fand mit der Publizistin Carola Stern am Donnerstag, den 12. Oktober 2000 im Sophie-Charlotte-Gymnasium statt. Katinka Vahle aus der 13. Klasse schrieb folgendes Resumée: Sich häufende Vorfälle von Fremdenhass in jüngster Zeit haben vehemente Diskussionen im Land und inzwischen auch in den Parlamenten ausgelöst. Man stellt sich die Frage, wie dieses Phänomen zu erklären und zu vermeiden ist. Um dieser Frage nachzugehen, hatte das Sophie-Charlotte-Gymnasium die Zeitzeugin Carola Stern zu einer Soirée eingeladen. In der gut zweieinhalb Stunden währenden Veranstaltung las sie vor ca. 200 Mitgliedern der Schulgemeinschaft aus ihrer „In den Netzen der Erinnerung" betitelten Autobiographie. Daran schloss sich eine längere Diskussion an. Einige Tage zuvor hatte sie mit Katinka Vahle (13. Klasse) und Saman Shargi-Irdmosa (12. Klasse) zwei Schülern Gelegenheit zu einer längeren Begegnung mit ihr gegeben; Saman übernahm es, den Zuhörern einige biographische Details zu präsentieren. In den Netzen der Erinnerung" enthält in interessanter Weise zwei Biographien: Frau Sterns sowie die ihres späteren Mannes. Das ist insofern besonders spannend, als sie überzeugte Nationalsozialistin, er hingegen mit ganzem Herzen Kommunist war. Unter anderem geht Carola Stern der Frage nach, wie sie dazu kam, einer solchen Ideologie zu glauben und sich für sie einzusetzen. War es der Zeitgeist, der sie als Kind beeinflusst und geprägt hat? Wäre sie damals als Siebenjährige in der Lage gewesen, anders zu handeln? Bestand für sie die Möglichkeit, den Parolen der Nationalsozialisten kritisch zu begegnen und wenn, ab welchem Zeitpunkt? Die am 14. November 1925 in Ahlbeck auf Usedom geborene Erika Assmus, bekannt geworden unter ihrem Pseudonym Carola Stern, vergleicht in der Soirée die Treffen der Jungmädel des BdM mit Kindergeburtstagen, während derer viel gesungen und gespielt wurde. So erschien ihr damals die Zugehörigkeit zu dieser Gruppe, der sie zunächst nicht angehören durfte, als sehr erstrebenswert. Als ihre zuerst unpolitische Mutter sich im Städtchen in der NS-Frauenschaft zu engagieren beginnt, darf die junge Erika endlich zu den Jungmädeln, wo sie ihr Talent, Reden zu halten und eine Führungsposition einzunehmen, ausleben kann. Es gab für die Kinder feste Regeln und Wertvorstellungen, an denen alles gemessen werden musste. Werte wie Pflichterfüllung, Treue, Aufopferung, Bewährung, Pünktlichkeit, Disziplin und vor allem Gehorsam sowie das Bewusstsein, auserwählt zu sein, wurde den Kindern anerzogen. Dem entsprach ihr schon früh fixiertes Feindbild – Feinde waren Kommunisten, Juden und Polen. In der Zeit, in der sie aufwuchs und sich diese Einstellung unkritisch zu eigen machte, saß ihr späterer Lebensgefährte Heinz Zöger als junger Kommunist mit 18 Jahren bereits im Gefängnis. Für ihn, dessen Eltern früh gestorben waren, wurde der ältere Bruder, ein aktiver Kommunist, zur Leitfigur. Duch die Gegenüberstellung dieser beiden Biographien bringt Carola Stern ein Beispiel für die Wirkung sozialer Bindungen auf die Wirksamkeit von Ideologien auf Heranwachsende.




Dennoch bleibt es ihr bis heute nahezu unerklärlich, wie sie solange bedings- und mitleidlos in dieser Gruppenideologie verharren konnte. Sie beschreibt einzelne Erlebnisse, die ihr aus heutiger Sicht schon damals die Augen hätten öffnen müssen; so als eine jüdische Mitschülerin mit ihrer ganzen Familie abgeholt wird oder als die Synagoge vor ihren Augen verbrennt. Oder als der geistig behinderte aber sonst kerngesunde gleichaltrige Willi aus dem Dorf verschwindet und kurze Zeit später an einem unbekannten Ort angeblich an Lungenentzündung stirbt. Ein wichtiger Punkt für die Prägung ihrer Moralvorstellungen waren auch ihre Lehrer. Die Tatsache, dass diese nicht für humane Wertmaßstäbe in der Erziehung gesorgt haben, wo immer sich ein Spielraum für sie ergab, hält sie für gefährlich. Es seien weder Toleranz noch Humanismus gelehrt worden, und dies ist für Carola Stern Mitursache dafür, dass die Jugend dem NS-Regime nichts entgegenzusetzen hatte. Carola Stern selbst hat erst sehr spät am NS-Regime zu zweifeln begonnen. 1944 arbeitete sie als Sekretärin in Swinemünde im zweiten Stock eines Gebäudes, in dessen erster Etage die örtliche Gestapo ihre Vernehmungsräume hatte. Dort bekamen sie und ihre Kolleginnen häufig mit, dass Menschen geschlagen und offensichtlich auch gefoltert wurden. Es wurde nur unter der Hand darüber gesprochen. Man fühlte sich hilflos, aber Zweifel, dass es sich hier um schuldige Verbrecher handelte, stiegen in ihr auf. Heute zieht Frau Stern aus all diesen Erfahrungen das Fazit, dass Begriffe wie Toleranz, Anstand und Freundschaft auch aktuell aufgewertet werden müssen. Damit könnte man die Orientierungslosigkeit unter den heutigen Jugendlichen auffangen und Schlagwörtern wie Individualisierung und Privatisierung den Begriff der sozialen Verantwortung entgegensetzen. Heute wie damals bedürfe es dringend der Zivilcourage. Der damals selbst empfundenen und heute oft fallenden Äußerung, man könne ja nichts tun, begegnete unser Gast gemeinsam mit dem Fernsehjournalisten Gerd Ruge mit der Gründung der deutschen Sektion von amnesty international. Den Schülern des Sophie-Charlotte-Gymnasiums legte sie ans Herz, offen und tolerant zu sein und sich zu engagieren, damit sie eines Tages ihren Enkeln als verantwortungsvolle Erwachsene gegenübertreten könnten. Als Zeitzeugin und wegen ihres offenen Bekenntnisses, Nationalsozialistin gewesen zu sein, wird sie von Fernsehanstalten gelegentlich mit der Forderung konfrontiert, die Seite der ehemaligen Nazis zu vertreten. Dieses Ansinnen kommentiere sie mit einem Lächeln: "Manchmal habe ich den Eindruck, es habe in Deutschland nur zwei Nazis gegeben. Der eine war Adolf, und der andere war ich."

Der Förderverein des Sophie-Charlotte-Gymnasiums unterstützt diese Veranstaltung.

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Soirée mit Frau Itidal Salame

am Freitag, den 23. November 2001 um 19.00 Uhr in der Aula

Über die Ereignisse vom 11. September 2001 sowie die damit zusammenhängenden kriegerischen Ereignisse in Afghanistan wird zur Zeit viel gesprochen. Auch in unserer Schule beschäftigt man sich damit. Mehr als jemals zuvor in der noch relativ kurzen Geschichte unserer Veranstaltungsreihe ist das Bedürfnis nach aktueller Information spürbar. Das Sophie-Charlotte-Gymnasium freut sich daher, der Schulgemeinschft und interessierten Gästen zwei Damen anzukündigen, die sich mit uns über die
aktuellen Entwicklungen unterhalten wollen. Es handelt sich dabei um die Bundestagsabgeordnete Frau Franziska Eichstädt-Bohlig (Bündnis 90 / Die Grünen) sowie die palästinensische Jounalistin Frau Itidal Salame.

Frau Eichstädt-Bohlig ist vielen Mitgliedern der Schulgemeinschaft als Abgeordnete des Wahlkreises Charlottenburg / Wilmersdorf bekannt. Im Bundestag arbeitet sie vornehmlich im Bauausschuss sowie im
Haushaltsausschuss, ist also keine ausgewiesene Expertin für außen- bzw. sicherheitspolitische Fragen. Dennoch hat sie als Bundestagsabgeordnete Einblick in relevante Entscheidungsabläufe. Frau Salame ist seit fünf Jahren als Korrespontentin für den mittlerweile recht bekannten Fernsehsender Al-Dschasira sowie andere Medien in unserem Land. Als palästinensische Muslimin ist sie mit dem Islam und den politischen Verhältnissen im Nahen Osten vertraut. Ein Ziel ihrer Arbeit sieht sie darin, den Stellenwert Deutschlands in der arabischen Welt zu verbessern.

Im Anschluss an den offiziellen Teil gibt es wie immer Gelegenheit zur Vertiefung des Gesprächs sowie zum gegenseitigen Kennenlernen.

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Soirée mit Prof. Dr. Gerhard Dengler

Irgendwie begann alles in Eberswalde ...

Gerhard Dengler war als Soldat im Kessel von Stalingrad. Er war ein wichtiger Journalist und Funktionär der DDR. Aber was ist er heute?

Wie lebt ein Mensch, der vier Staatsumbrüche und zwei Weltkriege in seinem Leben überstanden hat? Wie prägend solche Ereignisse für einen Menschen sind, hängt immer davon ab, wie er sie miterlebt und auch verarbeitet. Viele zeigen kein Interesse und schauen einfach weg, manche verstecken sich und fliehen sogar vor der Wahrheit. Dr. Gerhard Dengler wurde 1914 geboren und erlebte all diese Katastrophen mit; manche mehr und manche weniger bewusst. Besonders geprägt haben ihn die Erlebnisse des Zweiten Weltkrieges und der Zusammenbruch der DDR. Doch ist er kein gebrochener Mann, sondern im Gegenteil eine stattliche Erscheinung, der man ihre fast siebenundachtzig Jahre nicht ansieht und deren Auftreten ruhig und charmant wirkt.

Heute am Abend des 29. März 2001 befindet sich Gerhard Dengler in der Aula des Sophie-Charlotte-Gymnasiums um im Rahmen einer "Soirée" Auszüge aus seinem Leben Schülern, Lehrern und Eltern zu erzählen. Es wird auch der Dokumentarfilm "Es begann in Eberswalde" von Gitta Nickel und Wolfgang Schwarze gezeigt, der die gemeinsame Jugend der Freunde Gerhard Dengler und Hans Borgelt und deren getrennte Wege in und nach dem Zweiten Weltkrieg beschreibt.

Beide wuchsen in Eberswalde auf; Dengler in einem gut situierten Haus als Sohn eines renommierten Professors für Forstwirtschaft, Borgelt in einer Beamtenfamilie. Dengler beschreibt seine Kindheit als "zu abgeschottet". Um den Ersten Weltkrieg oder die Errichtung der Weimarer Republik bewusst mitzuerleben, war er zu jung und auch von der Inflation und dem Niedergang der Weimarer Republik bekam er im Elternhaus nichts zu spüren. Die beiden jungen Männer wurden im Laufe ihrer Jugend Freunde. Trotz der gesellschaftlichen Unterschiede verbanden sie zwei Leidenschaften; die für die Musik und die für das Schreiben. Nach ihrem Abitur studierten Borgelt und Dengler Journalistik. Mittlerweile hatte schon der zweite Staatsumbruch stattgefunden, die Machtübernahme Hitlers. Für Gerhard Dengler war das bis zum Anfang des Zweiten Weltkrieges nicht sehr prägend, jedoch bedeutete es für ihn, dass er einer NS-Organisation beitreten musste, um studieren zu können. Trotzdem war seine Studienzeit eine "seiner schönsten Zeiten", die jedoch durch den Kriegsanfang beendet werden sollte. Einen Tag bevor Dengler eingezogen wurde, reichte er seine Dissertation bei dem Berliner Zeitungswissenschaftler Emil Dovirat ein. Der Krieg trennte die Wege von Dengler und Borgelt, deren Freundschaft durch eine gemeinsame Balkanreise auf Motorrädern kurz zuvor vertieft worden war.

Während Hans Borgelt als Kulturoffizier und Zensor in Paris den Zweiten Weltkrieg erlebte, gelangte Gerhard Dengler schließlich an die Ostfront und erfuhr die Schrecken des Krieges am eigenen Leibe. Mit 28 Jahren war er Hauptmann einer Artillerie-Batterie, die im Herbst 1942 als Teil der 6. Armee bei Stalingrad eingekesselt wurde. Im Januar 1943 schien die Situation ausweglos; weder Essen, noch Trinken oder Munition waren mehr vorhanden; Dengler wurde sogar Zeuge von Kannibalismus unter verhungernden Soldaten. Die Sowjets warfen Flugblätter über dem Kessel ab mit dem Angebot, ehrenvoll zu kapitulieren. Der junge Hauptmann sah darin einen Ausweg aus dieser schrecklichen Situation und machte sich auf den Weg zum Oberbefehlshaber Paulus, um ihn um Annahme des sowjetischen Angebotes zu bitten. Ganz allein durchquerte er halb Stalingrad bei meterhohem Schnee, um dort zu erfahren, dass die nächsten deutschen Truppen 200 Kilometer entfernt seien und sich sogar noch weiter entfernten. Auf Denglers Bitte erwiderte Paulus, dass er nicht gegen Hitlers Befehl verstoßen und kapitulieren würde, übertrug jedoch die Verantwortung "an die unteren Truppenführer". Es lag nun an Dengler zu entscheiden. Er zögerte nicht lange und ging in der selben Nacht zusammen mit seinen Soldaten zu den sowjetischen Truppen. In der Hand hielt er das Flugblatt, um zu signalisieren, dass er sich ergeben wolle. Obwohl er damit rechnete, vielleicht erschossen zu werden, rettete er durch die Kapitulation das Leben vieler Soldaten. Auch seine Befürchtungen exekutiert zu werden, bestätigten sich nicht; er wurde sogar in einem sowjetischen Lazarett für Kriegsgefangene gesund gepflegt. Dengler war nicht nur körperlich durch etliche Krankheiten und Kriegsverletzungen geschwächt, es hatten die Erlebnisse von Stalingrad auch eine innere Leere in ihm hinterlassen. Er hatte zusehen müssen, wie Ärzte Medikamente für Nahrungsmittel verkauften und wie Pfarrer den Tode geweihten Soldaten nach etwas Brauchbarem absuchten. Dieses in seinen Augen unmoralische Verhalten nahm ihm den Glauben an das Bürgertum, der Gesellschaftsschicht, aus der er stammte.

Die hinterlassene Leere wurde im Sommer 1943 gefüllt, als Dengler im Kriegsgefangenenlager für Offiziere das Gründungsmanifest des Nationalkomitees "Freies Deutschland"' in die Hände bekam. Die dort formulierte Idee, dass nur die deutsche Armee Hitler stürzen könne, überzeugte ihn sofort. Doch als er sich vor seinen Offizierskameraden für die Gründung des Nationalkomitees aussprach, konnte er fast niemanden erreichen. Er wurde im Gegenteil als Verräter abgestempelt. Die meisten schlossen ihn aus, rückten sein Bett von den anderen Betten ab und spuckten, wenn sie ihn sahen. Das war keinesfalls leicht für Dengler, doch hatte er eine neue Überzeugung gefunden, die einige Monate später auf der Antifa-Schule in Moskau die Intensität eines Glaubens erhielt. Er zeigte großes Engagement für die Antifa-Bewegung und die Idee des Marxismus, jedoch ahnte er die Folgen nicht. Während er in Moskau im Widerstand tätig war, wurde er in Deutschland zum Tode verurteilt. Wegen diesem Urteil musste sein Vater sich zweimal wöchentlich bei der Polizei melden. Denglers Vater hielt es nicht aus, wie ein Verbrecher behandelt zu werden und nahm sich deswegen das Leben. Erst als Dengler im Juli 1945 nach Deutschland für Pressearbeit zurückgekehrt war, erfuhr er vom Tod seines Vaters.

Nun war der zweite Weltkrieg in seinem Leben zu Ende und hatte aus Gerhard Dengler einen fast komplett neuen Menschen gemacht, der tatkräftig half, einen neuen Staat, den vierten in seinem Leben, mit aufzubauen. 1955 ging er als erster Außenkorrespondent der DDR für "Neues Deutschland" nach Bonn und erlebte die parallele Entwicklung zweier in ihrer Ideologie komplett unterschiedlicher Staaten mit. Nach seiner Rückkehr wurde er Präsident des Nationalrates der DDR; aus dem Journalisten wurde ein SED-Funktionär. Später trat er dann eine  Professur für Auslandinformation in Potsdam an. Dengler bemerkte zwar Fehler im System der DDR, doch blieb er fest davon überzeugt, im Sozialismus das richtige Regierungssystem gefunden zu haben. Aber als auch dieser Staat gemeinsam mit der Berliner Mauer zusammenbrach, fühlte sich Gerhard Dengler verloren. Er hatte 40 Jahre lang aus Überzeugung für die DDR gearbeitet und "plötzlich war alles weg"!

Vielleicht wäre Gerhard Dengler heute nach dem Tod seiner Ehefrau ein verbitterter alter Mann, hätte Hans Borgelt nicht erneut Kontakt zu ihm gesucht, wodurch es schließlich zu dem Dreh des Films über ihrer beider Leben ("Es begann in Eberswalde") kam. Nachdem sich die beiden vier Jahrzehnte lang nicht mehr gesehen hatten, trafen sie wieder aufeinander, um die Vergangenheit gemeinsam zu bewältigen. Zusammen reisten sie nach Eberswalde, Paris und Stalingrad und holten 40 verpasste Jahre Freundschaft nach.

Durch Borgelts Anruf und die mit den Dreharbeiten verbundenen Gespräche gelangte Gerhard Dengler ins Leben zurück; nach der Veröffentlichung des Films kehrte er auch ins öffentliche Leben zurück. Seitdem gibt er Interviews, schreibt gelegentlich Artikel und besucht Berliner Schulen, um seine Geschichte zu erzählen; so wie heute Abend! Obwohl die Aula des Gymnasiums nur halb mit Schülern, Lehrern und Eltern gefüllt ist, erzählt Dengler seine Lebensgeschichte auf eine professionelle und spannende Art und Weise, so dass jeder seinen Erzählungen interessiert zuhört.

Alle, die zur heutigen Soirée erschienen sind, sind sich einig, dass es sich lohnt, Gerhard Denglers Lebensgeschichte zu kennen. Gitta Nickel hat das schon früher erkannt: und seit ihrem Film wissen schon viele, dass Gerhard Dengler heute zwar nicht mehr ein heldenhafter Soldat oder einflussreicher Journalist, dafür aber ein wichtiger Zeitzeuge ist.

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Soirée mit Volker Schlöndorff und Dieter Schenk

am 23. Mai 2000

Schon die Zahl der Gäste, die der Einladung zur "5. Soirée bei Sophie Charlotte" am  23. Mai 2000 gefolgt waren, zeigte, dass diese Veranstaltung für eine besondere gehalten  wurde. Es mögen an die 300 Personen präsent gewesen sein, darunter der Botschafter der Republik Polen, Herr Dr. Andrzej Byrt, nebst einigen Mitarbeitern sowie Schüler und  Kollegen des Warschauer Witkacy-Gymnasiums, mit dem das Sophie-Charlotte-Gymnasium seit 1998 einen Austausch betreibt, gemeinsam mit dem Erich-Fried-Gymnasium in Friedrichshain, welches ebenfalls vertreten war. Und zum ersten Mal, und dies gleich in größerer Zahl, waren auch Vertreter der Medien zugegen, u.a. das Erste Polnische Fernsehen.

Publikumsmagnet war ohne Zweifel Volker Schlöndorff, weltberühmter Regisseur des Films "Die Blechtrommel", der ausschnittweise Thema des Abends sein würde. Der Verlauf der Veranstaltung zeigte aber, dass der zweite Gast, der in der Einladung angekündigt worden war, im Mittelpunkt der Ereignisse stehen sollte. Es handelte sich um Dieter Schenk, Autor mehrerer historischer Sachbücher sowie Tatsachenromane und Honorarprofessor mit einem Lehrauftrag für die Geschichte des Nationalsozialismus an der Universität Lodz.

Das die beiden Herren verbindende (und die starke polnische Präsenz in der Aula erklärende) Element ist die Polnische Post in Danzig unmittelbar zu Beginn des Zweiten Weltkrieges. Deren Schicksal sowie das ihrer Mitarbeiter am 1. September 1939 beschreibt Schenk in seinem 1995 erschienenen Buch "Die Post von Danzig. Geschichte eines deutschen Justizmordes" eingehend - so eingehend, dass der verbrecherische Charakter der 38 Todesurteile gegen polnische Postbedienstete durch ein deutsches Kriegsgericht im Herbst 1939 unübersehbar war. Als direkte Folge von Schenks Buch sah sich der Bundesgerichtshof veranlaßt, das Landgericht in Lübeck mit der Wiederaufnahme des Verfahrens von 1939 zu beauftragen. Dieses Gericht kassierte die Todesurteile, was wiederum Versorgungsansprüche der Angehörigen der unrechtmäßig Erschossenen an die Bundesrepublik Deutschland als Nachfolgestaat des Deutschen Reiches rechtlich möglich macht.

Die von Schenk bearbeiteten Ereignisse im Postgebäude waren bereits von Günter Grass in seiner "Blechtrommel" beschrieben und in Schlöndorffs gleichnamigem Film dargestellt worden. Die entsprechenden Szenen konnten dem Publikum mit Hilfe von Schlöndorff freundlicherweise zur Verfügung gestellter Videobeamtechnik gezeigt werden, wie dem Publikum auch ein Ausschnitt aus einer Arte-Sendung über die Geschichte der Stadt Danzig gezeigt wurde, der über die besondere Lage der Stadt als unter dem Schutz des Völkerbunds stehende Freie Stadt Danzig mit polnische Präsenz (Post und Armeedepot auf der Westerplatte) informierte. Ein Filmausschnitt beschäftigte sich mit der Person des
NS-Gauleiters Albert Forster - von dem die "Soirée" organisierenden Kollegen Baumgart als Hommage an Schenks jüngst erschienenes Buch "Hitlers Mann in Danzig. Gauleiter Forster und die NS-Verbrechen in Danzig-Westpreußen" angekündigt.

Im Anschluß daran berichtete Schlöndorff über seine Arbeit an dem Film und mit Grass. Man erfuhr, dass die Figur des Jan Bronski, im Film Mitarbeiter der Polnischen Post in Danzig und mutmaßlicher Vater sowie gleichzeitig Onkel von Grass' Romanfigur Oskar Matzerath, ein tatsächliches Vorbild hatte: einer der Erschossenen war Grass' Onkel Jan Banaszkowsky. "Ein Schriftsteller wie Grass erfindet nicht", sagte Schlöndorff. Schenk erläuterte die Entstehungsgeschichte seines Buches sowie die Gründe, die ihn dem
Buch den Untertitel "Geschichte eines deutschen Justizmordes" hatten geben lassen. Auch erfuhr das Publikum über den weiteren Werdegang der beiden verantwortlichen Juristen im bundesdeutschen Justizwesen. Die 1939 wissentlich von ihnen vorgenommene Rechtsbeugung, die immerhin zum Tod von 38 Menschen führte, behinderte ihre Karriere nicht - für viele Schüler im Publikum eine Überraschung.